Untauglich durch Depression, Insomnie und Rückenschmerzen

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Douma
Jungzivi
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Untauglich durch Depression, Insomnie und Rückenschmerzen

Beitrag von Douma »

Hallo Zusammen!

Ich bin seit anderthalb Monaten beim Zivildienst und anfänglich war es ja noch ganz lustig, weil es halbtags Webinare ohne Aufsicht gab. Die andere Hälfte vom Tag mussten meine Zivikollegen und ich 1,5 Stunden zu den praktischen Übungen und zurück nochmals 1,5 Stunden fahren. Auch wenn ein Tag schnell mal zu 12 Stunden Aufwand wurde war das „okay“, da das Webinar doch recht entspannt war. Aber in der Ausbildungszeit bin ich 55 Wochenstunden eingeteilt und es wird verlangt, dass man eine halbe Stunde vor jedem Dienstbeginn kommt, um das Auto zu checken - die gesetzliche Ruhezeit zwischen den Diensten wird natürlich ignoriert, so kommt es vor, dass ich nach 20 Uhr aus habe und direkt am nächsten Tag um 6 Uhr (inoffiziell 5:30) antanzen darf. Freizeit habe ich keine und einen gesunden Schlaf ebenso nicht, denn ich leide an folgenden Problemen:

-Insomnie, also einer Schlafstörung - ich brauche Stunden zum einschlafen und habe absolut keinen erholsamen Schlaf.
-Depression
-Rücken- und Gelenksschmerzen, klar die Menschen werden immer schwerer und dann kommt es auch mal gut vor, dass die 150 Kg Omi getragen werden will und natürlich hat das Auto keine Rampe…

Ich habe in knapp drei Wochen einen Termin bei einem Orthopäden (Skoliose ist bereits diagnostiziert und ich war vor Jahren schon in Physiotherapie) und Psychiater (mein Hausarzt hat bei meiner Ansuchung nach einem Überweisungsschein gesagt „Ich sehe Ihnen an, dass es Ihnen überhaupt nicht gut geht.“ - also meine Augenringe sind sehr groß und dunkel.

Insomnie und Depression müssen erst diagnostiziert werden. Naja das sollte nicht das Problem sein - ich habe bezüglich dieser Dinge schon seit Jahren Probleme, aber meine Eltern haben immer gesagt „Nein, du bist nur a bisserl traurig.“ oder „Weilst deinen Rhythmus nicht richtig einhältst.“ - Jedenfalls ist es jetzt einfach too mich to handle.

Wie stehen meine Chancen für untauglich erklärt zu werden? Wie lange dauert es bis ich einen Amtsarzttermin kriegen könnte?

LG und vielen Dank im Vorhinein für alle Antworten!
Azby
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Re: Untauglich durch Depression, Insomnie und Rückenschmerzen

Beitrag von Azby »

Douma hat geschrieben:
> Wie stehen meine Chancen für untauglich erklärt zu werden? Wie lange dauert
> es bis ich einen Amtsarzttermin kriegen könnte?

Beide Fragen wird dir niemand seriös beantworten können. Ich habe Zweifel daran, dass du mit den von dir geschilderten Diagnosen untauglich bist. Wie lange es bis zu einem Amtsarzttermin dauert, hängt von der Behörde und anderen Faktoren ab. Das kann binnen weniger Tage der Fall sein, realistischerweise wird es wohl eher Wochen (allenfalls auch Monate) dauern.

Zu den Dienstzeiten: Wenn die Regelungen der Dienstzeit-Verordnung wider besseres Wissen nicht eingehalten werden, empfiehlt sich eine Anzeige bei den zuständigen Behörden (Landeshauptmann/Bezirksverwaltungsbehörde) samt Anregung, gem. § 40 iVm § 55 Abs. 3 ZDG in die Aufzeichnungen über die Dienstzeiten der Zivildienstleistenden bei der Einrichtung Einsicht zu nehmen. In der Folge müsste die Behörde bei festgestellten Verstößen gegen die Dienstzeit-Verordnung ein Verfahren über die Aberkennung als Träger des Zivildienstes gem. § 4 Abs. 4 Z 3 ZDG einleiten.

Ganz generell kann man den Vorgesetzten auch auf verordnungswidrige Dienste ansprechen, insbesondere dann, wenn diese zu unzumutbaren Einschränkungen in der Lebensführung führen (Schlafmangel mit krankheitswertigen Folgen). Sofern die Schlaflosigkeit bei dir Krankheitswert hat und auf den Zivildienst (die verordnungswidrigen Dienste) zurückzuführen ist, gilt eine deswegen bestehende Dienstunfähigkeit ("Krankenstand") auch nicht für die sogenannte 24-Tage-Regelung. Es empfiehlt sich, bei Beginn eines allfälligen Krankenstandes sofort nachweislich (Schriftform!) gegenüber dem Vorgesetzten darauf hinzuweisen, dass die Krankheit auf den Zivildienst zurückzuführen ist. Dass du schon vor dem Zivildienst Schlafprobleme hattest, würde ich gegenüber den Behörden oder dem Vorgesetzten eher nicht angeben, das kann dir in diesem Zusammenhang mehr schaden als nutzen.
Douma
Jungzivi
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Registriert: Donnerstag 10. November 2022, 20:51

Re: Untauglich durch Depression, Insomnie und Rückenschmerzen

Beitrag von Douma »

Dankeschön für deine Antwort!

Bezüglich des Amtsarztes müsste ich mich mit meinem Vorgesetzten und der ZISA in Verbindung setzen, sowie das Formular ausfüllen, richtig?

https://www.zivildienst.gv.at/zivildien ... stand.html
https://www.zivildienst.gv.at/dam/jcr:2 ... igkeit.pdf

Leider ist der Rechtsträger das Rote Kreuz und meine Woche besteht aus 55 Stunden offizieller Arbeitszeit, aber mit der undokumentierten "Bonuszeit" ist es natürlich mehr. Jedenfalls vermute ich, dass eine zu hohe Arbeitszeit und zu geringe Ruhezeiten schön unter den Teppich gekehrt werden bzw. dass das Rote Kreuz eine Art "Sonderstatus" hat, weil es ja "Turnus ist und die billigen Arbeitskräfte in diesem Ausmaß gebraucht werden".

Danke für den Tipp mit den Krankentagen! Gibt es eine Möglichkeit die Chancen als dienstunfähig erklärt zu werden zu erhöhen oder anders gesagt gibt es eine Art "Safe Bet", wie man als dienstunfähig erklärt werden kann? Meine Befürchtung ist, dass ich lediglich für ein Jahr vorübergehend untauglich werde oder einfach eine neue Zivildienststelle zugewiesen bekomme und noch ein Jahr meines Lebens verliere und ebenso unter menschrechtswidrigen Bedingungen ausgebeutet werde.
Azby
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Registriert: Donnerstag 10. April 2008, 21:54

Re: Untauglich durch Depression, Insomnie und Rückenschmerzen

Beitrag von Azby »

Douma hat geschrieben:
> Bezüglich des Amtsarztes müsste ich mich mit meinem Vorgesetzten und der
> ZISA in Verbindung setzen, sowie das Formular ausfüllen, richtig?
>
> https://www.zivildienst.gv.at/zivildien ... stand.html
>
> https://www.zivildienst.gv.at/dam/jcr:2 ... igkeit.pdf

Das Gesetz verlangt keine Verwendung eines Formulars. Wenn die Behörde aber eines zur Verfügung stellt, kann man es durchaus verwenden.

> Leider ist der Rechtsträger das Rote Kreuz und meine Woche besteht aus 55
> Stunden offizieller Arbeitszeit, aber mit der undokumentierten
> "Bonuszeit" ist es natürlich mehr. Jedenfalls vermute ich, dass
> eine zu hohe Arbeitszeit und zu geringe Ruhezeiten schön unter den Teppich
> gekehrt werden bzw. dass das Rote Kreuz eine Art "Sonderstatus"
> hat, weil es ja "Turnus ist und die billigen Arbeitskräfte in diesem
> Ausmaß gebraucht werden".

De facto wirst du mit deiner Einschätzung leider Recht haben. Die Rechte der Zivildiener werden von allen Beteiligten (Vorgesetzte, Rechtsträger, ZISA) zu wenig beachtet. Das liegt wohl einerseits daran, dass es sich bei den Zivis weit überwiegend um junge Männer handelt, die am Beginn ihres eigenständigen Lebens stehen, und denen es schlichtweg an Erfahrung mangelt, wie man sich
- über seine Rechte informiert
- seine bestehenden Rechte durchsetzt und sich gegen Ausbeutung durch selbstgefällige Einrichtungen zur Wehr setzt.
Mit solchen Leuten können die Ausbeuter praktisch machen, was sie wollen. Denen erzählen sie irgendwas über Rechte und Pflichten, wobei jene Punkte, die zugunsten des Zivildieners ausfallen, möglichst nicht zu deutlich kommuniziert werden.
Andererseits kommt es im System des Zivildienstes in den wenigen Fällen, in denen sich jemand - unter Berufung auf die gesetzlichen Bestimmungen - zur Wehr setzt zu einer typischen Abwehrreaktion. "Da kommt einer daher, der glaubt, dass er im Recht ist. Sowas gibt's ja gar nicht."
Und dann wird unter Einsatz aller möglichen Schikanen versucht, den "Querulanten" abzudrehen.

Zu deinem Punkt mit den Dienstzeiten: Notiere alles, sammle Beweise. Dienstpläne werden ja hoffentlich in einer aufbewahrbaren Form zur Verfügung gestellt werden (E-Mail, Aushändigung eines Ausdrucks oder zumindest ein Aushang, den man abfotografieren kann). Die Aufforderung, vor dem eigentlichen Dienstzeitbeginn anwesend zu sein, muss auch jemand kommuniziert haben. Entweder das ist in irgendeiner Form schriftlich und somit belegbar erfolgt, oder mündlich, wofür es Zeugen geben kann. Oder du holst dir diese Aufforderung nochmals schriftlich.

> Danke für den Tipp mit den Krankentagen! Gibt es eine Möglichkeit die
> Chancen als dienstunfähig erklärt zu werden zu erhöhen oder anders gesagt
> gibt es eine Art "Safe Bet", wie man als dienstunfähig erklärt
> werden kann? Meine Befürchtung ist, dass ich lediglich für ein Jahr
> vorübergehend untauglich werde oder einfach eine neue Zivildienststelle
> zugewiesen bekomme und noch ein Jahr meines Lebens verliere und ebenso
> unter menschrechtswidrigen Bedingungen ausgebeutet werde.

Mir sind keine derartigen "sicheren" Dienstunfähigkeitsgründe bekannt. Das Gesetz determiniert die Dienstunfähigkeit auch nicht anhand konkreter Krankheitsbilder. Tatsächlich ist es hier wie auch in anderen Rechtsbereichen, wo viel vom Gutachter (das ist hier der Amtsarzt) abhängt.
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